Dieses Jahr hat es in sich. Noch nie war ich in einem Jahr an so vielen Abschiedsfeiern wie dieses Jahr. Einerseits waren es sehr viele Begräbnisse. Andrerseits aber auch Abschiede in neue Lebensabschnitte, etwa Pension, Stellenwechsel oder das Legislaturende.
Zum Ersteren und ...
Dieses Jahr hat es in sich. Noch nie war ich in einem Jahr an so vielen Abschiedsfeiern wie dieses Jahr. Einerseits waren es sehr viele Begräbnisse. Andrerseits aber auch Abschiede in neue Lebensabschnitte, etwa Pension, Stellenwechsel oder das Legislaturende.
Zum Ersteren und ernsteren. Sehr viele liebe und geliebte Menschen sind von uns gegangen und hinterlassen uns, oft mit Fragezeichen. Alles, was gekommen ist, muss auch irgendwann wieder gehen, so der Lauf der Zeit und das Mysterium von Gott und unseres Seins. Logisch erklärbar und doch unverstanden. Es trifft jede und jeden, hart oder weniger hart. Einschneidend und einzigartig ist der Abschied jedes Mal. Doch was bleibt? Muss es nicht etwas geben, das bleibt?
Ich bin privilegiert aufgewachsen: katholisch, mit einem Grundvertrauen in Erlösung und ewiges Leben, als Ministrant. Als junger Erwachsener interessierte mich dagegen Religion kaum mehr. Im Gegenteil, ich war sehr wütend, als unser geliebtes Grosi so früh starb. So fand Religion in der Folge, wenn überhaupt statt an Feiertagen – selten im Gottesdienst, obwohl mein Grossvater nichts unversucht liess, mich dorthin mitzunehmen. Stattdessen standen Erlebnisse, Vergnügen und Karriere im Mittelpunkt. Die Kirchenbesuche beschränkten sich noch auf Hochzeiten, Trauerfeiern und ab und zu auf Weihnachten. Was genau erzählt oder gepredigt wurde, sie erahnen es wohl, ging beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus.
Wenn ich heute so in die Bankreihen in der Kirche schaue, frage ich mich: Wo sind all die Menschen geblieben? Wo sind etwa meine Jahrgänger, zehn Jahre hoch und runter? Sind alle ausgetreten? Dagegen sind Beerdigungen, Erstkommunionen und Firmungen noch immer gut besucht. An der Zeremonie kann es also kaum liegen. Die Texte sind verständlich, die Seelsorge erklärt sie, wenn es etwas komplizierter wird. Es darf auch mal gelacht werden. Knien darf man, Mitsingen auch, oder einfach nur zuhören.
Mitbringen sollte man für einen Gottesdienst etwas Neugier und knapp eine Stunde Aufmerksamkeit, nicht fürs Handy, sondern fürs Geschehen, für Gedanken und Gefühle in und um uns. Vielleicht erlebt man, dass die Gemeinschaft trägt, dass Starke Schwächere stützen und Zuversicht durch Texte, Worte und kleine Gesten wachsen kann.
Geben Sie dem Christentum noch eine Chance?
Frohe und gesegnete Weihnachten!