An der Gemeindeversammlung stand einmal mehr Tempo 30 zur Debatte, dieses Mal in einer eingeschränkten Zone
Hartnäckig bleiben die Befürworterinnen und Befürworter von Tempo 30 am Thema. Dennoch fand auch dieser Kompromissvorschlag an der Gemeindeversammlung keine ...
An der Gemeindeversammlung stand einmal mehr Tempo 30 zur Debatte, dieses Mal in einer eingeschränkten Zone
Hartnäckig bleiben die Befürworterinnen und Befürworter von Tempo 30 am Thema. Dennoch fand auch dieser Kompromissvorschlag an der Gemeindeversammlung keine Mehrheit.
Einmal mehr wurde einem Antrag zu Tempo 30 in Oberrohrdorf eine Abfuhr erteilt. Dieses Mal ging es um eine sogenannte «Kernzone» rund um das Schulhaus Hinterbächli mit Kindergärten und vielen Schulkindern, die auf der Hinterbächlistrasse und in den angrenzenden Quartierstrassen mehrmals täglich zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind. Geht es nach Benedikt Heil, sollte nach dem Nein an der Urne zur flächendeckenden Einführung von Tempo 30 im Oktober 2024 wenigstens in dieser «Kernzone» entschleunigt werden. Dazu hatte Heil, Mitglied der Spurgruppe Mensch und Umwelt, an der Sommer-Gmeind im Juni einen Überweisungsantrag gestellt. Dieser wurde angenommen. «Eruieren Sie die Kosten für die Einführung von Tempo 30 in der Kernzone um die Schule.» Heil überliess es dem Gemeinderat, ob er in Eigenverantwortung Tempo 30 einführt oder einen Vorschlag für die Umsetzung an der nächsten Gemeindeversammlung präsentiert und den Souverän über den Kredit abstimmen lassen will.
Gemeinderat gegen «Flickenteppich»
Vor dem allerletzten Traktandum «Verschiedenes» war der «Kredit über 25 000 Franken zur Einführung von Tempo 30 in einer Kernzone um die Schule» letzte Woche an der Gemeindeversammlung traktandiert. Der zuständige Gemeinderat Tobias Holenweger nahm Stellung und erklärte, warum der Gemeinderat eingeschränkte Zonen ablehnt. Die «Kernzone» rund um die Schule sei zum einen sehr gross, meinte Holenweger. «Sie umfasst rund einen Drittel des gesamten Wohngebietes von Oberrohrdorf – im wesentlichen geht es um die Quartiere links und rechts entlang der Hinterbächlistrasse. Warum erfolgt die Abgrenzung gerade hier, fragte sich der Gemeinderat?», so Holenweger. Zudem befürchtet er bei einer Annahme Anträge aus anderen Wohngebieten. «Wir wollen Rechtssicherheit», meinte der Gemeinderat, «keine unterschiedlichen Zonen.» Grundsätzlich begrüsse der Gemeinderat die Einführung von Tempo 30, aber sie soll flä- chendeckend sein. «Wir wollen keinen Flickenteppich», begründete er die ablehnende Haltung des Gemeinderates.
Benedikt Heil, der den Antrag gestellt hatte, entgegnete, dass die vorgeschlagene Kernzone «unser Dorf eigentlich wunderbar einrahmt». Tempo 30 sei in Oberrohrdorf seit vielen Jahren ein Thema. Eine flächendeckende Einführung von 30er-Zonen widerspreche dem Volkswillen, das habe die Urnen-Abstimmung 2024 gezeigt. «Dieser Kompromiss», so Heil, «bringt uns einen Schritt weiter».
Der Antrag wurde abgelehnt
In der anschliessenden Diskussion sprach Thomas Schneider von «Zwängerei» und «Missachtung des Volkswillens», zudem gefährde die willkürliche Zonierung die Verkehrssicherheit. Auch Marco Zurbrügg, der im Sommer 2024 das Referendum gegen Tempo 30 ergriffen hatte, erklärte, er sei kein Befürworter des neuen Plans. Nicolas Vonlanthen, der an der Hinterbächlistrasse wohnt, hatte Verständnis, dass die Entschleunigung nicht bei allen gern gesehen ist – «ich fahre selber gerne Tempo 50». Diese Geschwindigkeit, sagte er, sei an der Hinterbächlistrasse mit zwei Kindergärten und einer grossen Schule «aber einfach nicht angebracht». In der anschliessenden Abstimmung wurde der Kredit von 25 000 Franken zur Einführung von Tempo 30 rund um die Schule mit 159 Nein-Stimmen gegenüber 107 Ja-Stimmen abgelehnt.
Heidi Hess